Meeresschutz ist Klimaschutz

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Wie Spanien Europas Meeresschutz in die Zukunft führen kann

Ein Schutzgebiet mit großer Bedeutung

Spanien rückt den Meeresschutz verstärkt in den Fokus. 2018 wurde vor den Balearen ein bedeutendes Meeresschutzgebiet geschaffen, das bereits ein Jahr später als Walmigrationskorridor in das "Specially Protected Areas of Mediterranean Importance" (SPAMI)-Netzwerk aufgenommen wurde. Ein weiterer Meilenstein folgte im Mai 2023: Die Suche nach Öl und Gas in diesem Gebiet wurde endgültig untersagt – ein klares Bekenntnis zu den Klimazielen.

 

Wale in Gefahr trotz Schutzstatus

Der Walmigrationskorridor erstreckt sich über 46.388 km², ist rund 85 km breit und verläuft zwischen der katalanischen und valencianischen Küste sowie dem Balearen-Archipel. Hier leben acht Walarten, darunter einige der größten Meeressäuger wie Finn- und Pottwale. Doch trotz des Schutzstatus sind diese Tiere nicht sicher: Der Korridor verläuft entlang einer der wichtigsten Schifffahrtsrouten des Mittelmeers, die stark befahren wird. Allein 2019 passierten 125.000 Handels- und Kreuzfahrtschiffe spanische Mittelmeerhäfen.

 

Unterwasserlärm – eine unsichtbare Bedrohung

Lärmverschmutzung ist eine der größten Bedrohungen für Meeressäuger. Große Schiffe erzeugen einen konstanten Unterwasserlärm, der die Kommunikation und Orientierung von Walen und Delfinen massiv stört. Der Walmigrationskorridor gilt bereits seit 2016 als Lärm-Hotspot. Besonders gefährlich sind zudem Schiffskollisionen, die für Finn- und Pottwale oft tödlich enden.

 

Lösungen für den Schutz der Wale

Ein effektives Lärmmanagement ist notwendig, insbesondere da eine Zunahme des Schiffsverkehrs erwartet wird. OceanCare hat deshalb ein Maßnahmenpaket entwickelt, das den Walmigrationskorridor langfristig zur Quiet Zone machen soll. Dieses Konzept wird nun der spanischen Regierung vorgelegt, die verpflichtet ist, einen konkreten Managementplan für das Schutzgebiet zu erarbeiten.

 

Mögliche Maßnahmen:

  • Tempolimit für Schiffe: Eine Reduzierung der Geschwindigkeit um 10 % senkt den Lärm um 40 % und reduziert gleichzeitig die CO₂-Emissionen um 13 %.
  • Vermeidung von Kollisionen: Durch ein Tempolimit sinkt die Gefahr eines Zusammenstoßes für Wale um 50 %. Ein empfohlenes Maximaltempo von 10 Knoten könnte entscheidend sein.
  • Einsatz von Ortungssystemen für Zahnwale, um Schiffskapitäne frühzeitig zu warnen.
  • Beschränkung militärischer Operationen und Verbot von mittel- und niederfrequenten Sonarsystemen.
  • Regulierungen für die mineralgewinnende Industrie, Unterwasserkabel, Pipelines, Fischerei und den Wassersport.

 

Spanien als Vorreiter im Meeresschutz?

Um einen nachhaltigen Schutz zu gewährleisten, schlägt OceanCare vor, das gesamte nordwestliche Mittelmeer – vom Walmigrationskorridor bis zum Ligurischen Meer – als besonders sensible Meeresregion (PSSA) auszuweisen. Die Regierungen Spaniens, Italiens, Frankreichs und Monacos bereiten bereits einen Antrag an die Internationale Schifffahrtsorganisation (IMO) vor.

 

Ein starkes Signal für den Klimaschutz

Der Schutz der Ozeane ist ein entscheidender Faktor im Kampf gegen den Klimawandel. Mit dem Verbot der Öl- und Gasexploration hat Spanien einen wichtigen Schritt gemacht. Bereits 2021 wurde im „Gesetz zum Klimawandel und zur Energiewende“ festgelegt, dass keine neuen Konzessionen für Öl- und Gasförderung erteilt werden. Die letzte bestehende Konzession läuft 2042 aus. Zudem sind der Einsatz von Airguns, Boomern, Sparkern und hochintensiven Sonarsystemen im Walmigrationskorridor verboten.

Mit diesen Maßnahmen könnte Spanien eine führende Rolle im Meeresschutz übernehmen und den Walmigrationskorridor in ein internationales Best-Practice-Schutzgebiet verwandeln.

Quelle: OceanCare

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